Kontocheck Kredit: wie der digitale Kontoblick funktioniert
Der Kontocheck Kredit bedeutet: Du erlaubst dem Anbieter, deine Kontoumsätze digital abzurufen, statt Kontoauszüge hochzuladen. Der Dienst dafür braucht eine Registrierung oder Erlaubnis der BaFin, und du musst ihm ausdrücklich zustimmen.
Was ist der Kontocheck Kredit und was passiert im Antrag?
Beim Kontocheck verbindet der Kreditantrag dich mit deinem Online-Banking. Danach ruft ein Kontoinformationsdienst deine Umsätze für einen festgelegten Zeitraum ab und gibt sie an den Kreditgeber weiter. Digitaler Kontoblick, digitaler Kontoauszug und Kontocheck werden meist gleichbedeutend verwendet, der Ablauf unterscheidet sich je Anbieter. Ob ein Anbieter auch ohne Kontocheck einen Antrag annimmt, steht in seinen Unterlagen.
So läuft der digitale Kontoblick im Antrag ab
- Du wählst im Antrag den Kontocheck und gibst deine Bank an. Eine Direktbank nennt dafür laut eigener Angabe den Banknamen sowie BIC oder Bankleitzahl des Gehaltskontos.
- Du gibst deine Online-Banking-Zugangsdaten ein und bestätigst den Zugriff. Auf welcher Seite du das tust, hängt vom Dienst ab. Laut Angabe dieser Direktbank werden die Zugangsdaten nicht gespeichert.
- Der Dienst ruft die Umsätze ab. Eine Direktbank beschreibt das laut eigener Angabe als digitalen Kontoauszug der letzten drei Monate.
- Der Dienst leitet den Kontoauszug an den Kreditgeber weiter, der ihn für die Prüfung nutzt.
- Der Kreditgeber entscheidet über den Antrag. Der Kontocheck ersetzt die Prüfung nicht, zu der die Bank nach dem BGB verpflichtet ist.
Identifizierung und Unterschrift gehören zum Antrag insgesamt. Wie der Ablauf dort aussieht, beschreibt der Ratgeber Online-Kredit.
Welcher Rechtsrahmen gilt für den Kontoblick?
Ein Kontoinformationsdienst ist im Zahlungsdiensteaufsichtsgesetz (ZAG) geregelt. Nach § 1 Abs. 34 ZAG ist er ein Online-Dienst, der konsolidierte Informationen über ein Zahlungskonto mitteilt, und § 1 Abs. 1 Nr. 8 ZAG zählt ihn zu den Zahlungsdiensten. Wer ausschließlich solche Dienste anbietet, muss sich nach § 34 ZAG bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) registrieren lassen, eine volle Zulassung ist dafür nicht nötig.
Die Vorgaben stammen aus der Zahlungsdiensterichtlinie (EU) 2015/2366, kurz PSD2. Laut Verbraucherzentrale Niedersachsen (Stand 2023) greift der Dienst über eine Schnittstelle auf dein Online-Banking zu und nutzt dafür deine Authentifizierungsmerkmale wie PIN und TAN. Die Bank muss Anfragen eines Kontoinformationsdienstes ohne Benachteiligung behandeln, wenn keine objektiven Gründe dagegensprechen (§ 50 Abs. 1 Nr. 2 ZAG).
Die Pflichten aus § 51 ZAG richten sich an den Dienst. Der Kreditgeber, der die Daten anschließend prüft, unterliegt eigenen Pflichten aus DSGVO und BGB. Die wichtigsten Grenzen nennt § 51 Abs. 1 ZAG: Der Dienst darf nur mit ausdrücklicher Zustimmung tätig werden und die Daten nur für den Zweck nutzen, den du angefragt hast. Sensible Zahlungsdaten darf er nicht anfordern (§ 51 Abs. 1 Satz 3 ZAG).
Welche Daten lesen die Dienste, und wozu braucht die Bank sie?
Ein Kontoinformationsdienst liest Kontostände und Umsätze aus. Eine abschließende Datenliste nennt die Verbraucherzentrale Niedersachsen nicht, sie führt Kontostände und Umsätze als Beispiel an. Eine Direktbank nennt laut eigener Angabe das Gehaltskonto. Für die Bank zählt, ob du einen Kredit voraussichtlich zurückzahlen kannst.
Die Bank stützt ihre Prüfung auf deine Angaben und, wenn nötig, auf Auskünfte aus einer Datenbank, etwa einer Auskunftei (§ 505b BGB). Kontoumsätze nennt der Gesetzestext nicht ausdrücklich.
Gesundheitsdaten gehören zu den besonders geschützten Daten nach Art. 9 DSGVO. Kontoumsätze können solche Hinweise enthalten. Der vzbv nannte 2022 als Beispiele Gesundheit und politische Haltung, die sich aus dem Kontozugriff ableiten lassen.
Wie sicher sind Einwilligung und Datenschutz beim Kontoblick?
Du stimmst dem Zugriff ausdrücklich zu, und der Dienst darf die Daten nur für den Zweck nutzen, den du angefragt hast. Wie du die Zustimmung zurückziehst, hängt von der Rechtsgrundlage ab. Frag nach, auf welche Grundlage der Anbieter den Abruf stützt.
Zustimmung ist Pflicht
Nach § 51 Abs. 1 Satz 1 ZAG darf der Dienst nur mit ausdrücklicher Zustimmung tätig werden. Die Verbraucherzentrale Niedersachsen beschreibt den Zugriff ebenso nur mit ausdrücklicher Zustimmung des Kontoinhabers (Stand 23. März 2023).
Beim Zugriff über einen Kontoinformationsdienst darf deine Bank eine erneute starke Kundenauthentifizierung nach Art. 10a Abs. 2 Buchst. b der Delegierten Verordnung (EU) 2018/389 erst verlangen, wenn seit dem letzten Zugriff über den Dienst mehr als 180 Tage vergangen sind. Das gilt seit dem 25. Juli 2023. Ältere Angaben der Verbraucherzentrale Niedersachsen (2023) nennen 90 Tage. Bei sachlich gerechtfertigten und nachgewiesenen Gründen für einen betrügerischen Zugriff darf die Bank früher nachfragen (Art. 10a Abs. 3).
Der Zweck ist begrenzt
Der Dienst darf Daten nur für den ausdrücklich angefragten Zweck speichern, verwenden oder darauf zugreifen, andere Zwecke sind damit ausgeschlossen (§ 51 Abs. 1 Satz 4 ZAG). Der vzbv kritisierte 2022 aber, dass Verbraucher nicht kontrollieren können, wie Anbieter die Daten verarbeiten. Eine Direktbank schreibt, die Zugangsdaten würden nicht gespeichert, das kannst du von außen nicht prüfen. Frag deshalb vor der Zustimmung, wer die Daten erhält und wie lange sie gespeichert werden.
Die DSGVO verlangt eine Grundlage
Laut EDSA-Leitlinien 06/2020 stützt sich die Verarbeitung für Zahlungsdienste grundsätzlich auf Art. 6 Abs. 1 Buchst. b DSGVO, also auf einen Vertrag oder vorvertragliche Maßnahmen auf deine Anfrage. Die Zustimmung nach PSD2 ist eine vertragliche Zustimmung und nicht dasselbe wie eine Einwilligung nach der DSGVO (Abschnitt 3.2). Für Zwecke, die über den Dienst hinausgehen, braucht es eine Einwilligung nach Art. 6 Abs. 1 Buchst. a DSGVO oder eine gesetzliche Grundlage (Abschnitt 2.4).
Widerruf
Bei einer DSGVO-Einwilligung kannst du sie jederzeit widerrufen, und die bereits erfolgte Verarbeitung bleibt rechtmäßig (Art. 7 Abs. 3 DSGVO). Laut EDSA-Leitlinien kann die Bank dir eine Übersicht anbieten, in der du eine Freigabe entziehst (Abschnitt 6.4). Du kannst deine Bank außerdem bitten, einem bestimmten Dienst den Zugang zu verweigern (EDSA-Leitlinien, Abschnitt 6.4). Die Verbraucherzentrale Niedersachsen verweist allgemein auf die Zugriffsverwaltung im Online-Banking der Bank.
Dürfen Kontoumsätze in einen Score einfließen?
Ab dem 20. November 2026 dürfen Wahrscheinlichkeitswerte nicht aus Informationen über Zahlungseingänge und -ausgänge auf und von Bankkonten erstellt werden (§ 37a Abs. 2 Nr. 1 Buchst. c BDSG). Die Regel betrifft nach Absatz 1 Wahrscheinlichkeitswerte, die ein bestimmtes Verhalten einer Person bei einer Vertragsentscheidung vorhersagen, und Wahrscheinlichkeitswerte von Auskunfteien über die Zahlungsfähigkeit.
Wie die Regel auf die Auswertung deiner Umsätze durch einen Kreditgeber wirkt, lässt sich dem Gesetzestext nicht eindeutig entnehmen. Frag den Anbieter, wofür er die Umsätze nutzt und ob er sie an eine Auskunftei weitergibt. Wie du mit einer Auskunft umgehst, erklärt der Ratgeber Kredit abgelehnt.
Welche Vor- und Nachteile hat der digitale Kontoblick?
Der Kontocheck erspart dir das Sammeln von Auszügen. Dafür erteilst du eine Zustimmung, die laut vzbv (2022) einen Generalzugriff auf das Konto verlangt. Nach § 51 Abs. 1 Satz 2 ZAG darf der Dienst aber nur auf die Konten zugreifen, die du bezeichnest, und auf die dazugehörigen Zahlungsvorgänge.
Spricht dafür
- Du musst keine Kontoauszüge sammeln oder hochladen.
- Eine Direktbank verzichtet laut eigener Angabe auf Einnahmen- und Ausgabennachweise.
- Du kannst die Zustimmung zurückziehen, und der Dienst darf die Daten nur für den angefragten Zweck nutzen.
Spricht dagegen
- Laut vzbv (Stand 2022) verlangen die Dienste einen Generalzugriff auf das Konto.
- Nur fünf von 15 untersuchten Anbietern holten laut vzbv (2022) eine ausdrückliche Einwilligung ein.
- Du kannst laut vzbv (2022) nicht kontrollieren, wie Anbieter die Daten verarbeiten.
- Manche Abläufe ähneln Phishing, etwa wenn mehrere TANs hintereinander einzugeben sind (vzbv 2022).
Die Untersuchung des vzbv stammt aus dem Jahr 2022. Die Punkte zeigen deshalb Risiken, aber keinen Befund zu jedem einzelnen Anbieter. Wie schnell ein Kredit ausgezahlt wird, hängt von Prüfung und Unterlagen ab; den Ablauf erklärt der Ratgeber Sofortkredit.
Ob der Kontocheck für dich passt, hängt davon ab, wie viel Einblick du in deine Umsätze geben willst. Wenn dir das Sammeln von Auszügen mehr Aufwand macht als dieser Einblick, kann der Kontocheck passen. Willst du nicht, dass ein Dienst mehr sieht als nötig, reiche lieber eigene Auszüge ein. Frag vorher nach, welchen Zeitraum die Bank verlangt.
Kannst du den Kontocheck ablehnen?
Ob du den Kontocheck ablehnen kannst, hängt vom Anbieter ab. Eine Direktbank nennt auf ihrer Seite die Möglichkeit, den Service auszulassen und stattdessen einen klassischen Privatkredit zu wählen. Andere Anbieter regeln das in ihren Unterlagen. Unabhängig davon muss die Bank deine Kreditwürdigkeit prüfen (§ 505a BGB).
Lehnt die Bank ab, und beruht die Ablehnung auf einer Auskunft, muss sie dich unverzüglich darüber und über die erhaltene Auskunft unterrichten (§ 30 BDSG).
Kontocheck oder eigene Kontoauszüge im Vergleich
| Merkmal | Kontocheck | Kontoauszüge selbst einreichen |
|---|---|---|
| Was du bereitstellst | Deine Zustimmung zum Abruf der Umsätze | Auszüge, die du selbst herunterlädst |
| Nachweise | Laut Angabe einer Direktbank keine Einnahmen- und Ausgabennachweise nötig | Du sammelst und prüfst die Dokumente selbst |
| Wer die Daten abruft | Ein bei der BaFin registrierter oder zugelassener Dienst | Du selbst |
| Umfang der Freigabe | Laut vzbv (2022) ein Generalzugriff auf das Konto, rechtlich begrenzt auf die von dir bezeichneten Konten (§ 51 Abs. 1 Satz 2 ZAG) | Du wählst die Auszüge und Monate aus |
Welche Angaben zu Einkommen und Ausgaben du machst, solltest du vorher durchrechnen. Der Budget-Check hilft dir, deine Haushaltslage zu ordnen, bevor du einem Dienst Zugriff gibst.
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Woran erkennst du einen unseriösen Kontocheck?
Begriffe wie Kontoinformationsdienst und Bonität erklärt das Kreditlexikon. Laut BSI fordern seriöse Anbieter Zugangsdaten nicht per E-Mail an. Das BSI rät außerdem, Passwörter und Transaktionsnummern nie per E-Mail preiszugeben, Links aus verdächtigen Nachrichten nicht zu öffnen und die Adresse selbst einzugeben. Bei Zweifeln fragst du beim Anbieter telefonisch nach.
Typische Stolperstellen sind eine Freigabe, ohne zu wissen, welcher Dienst die Umsätze abruft, und die Eingabe der Zugangsdaten auf einer Seite, deren Ziel du nicht kennst. Der vzbv wies 2022 darauf hin, dass Verbrauchern diese Zielseiten teils unbekannt sind.
Prüfe vor der Zustimmung
- Du bist nicht über einen Link aus einer E-Mail oder Nachricht auf die Seite gekommen, auf der du deine Zugangsdaten eingibst.
- Die Seite zeigt https und ein Schloss-Symbol.
- Du weißt, welcher Dienst deine Umsätze abruft.
- Du hast die Datenschutzerklärung gelesen und weißt, wer die Daten erhält.
- Du hast geprüft, ob der Dienst bei der BaFin registriert oder zugelassen ist. Die Verbraucherzentrale Niedersachsen verweist auf eine Liste der BaFin.
- Du weißt, wo du die Zustimmung widerrufen kannst.
Häufige Fragen
Muss ich dem Kontocheck zustimmen, um einen Kredit zu bekommen?
Das hängt vom Anbieter ab. Ob er den Kontocheck verlangt oder einen anderen Weg anbietet, steht in seinen Unterlagen. Frag vor dem Antrag nach, welche Nachweise du ohne Kontocheck einreichen kannst.
Darf der Dienst auf alle meine Konten zugreifen?
Nein, nur auf die Konten, die du bezeichnest, und die dazugehörigen Zahlungsvorgänge (§ 51 Abs. 1 Satz 2 ZAG).
Kann ich meine Zustimmung nachträglich zurückziehen?
Das hängt von der Rechtsgrundlage ab. Bei einer DSGVO-Einwilligung kannst du jederzeit widerrufen, die bis zum Widerruf erfolgte Verarbeitung bleibt rechtmäßig (Art. 7 Abs. 3 DSGVO). Du kannst deine Bank außerdem bitten, einem bestimmten Dienst den Zugang zu verweigern (EDSA-Leitlinien, Abschnitt 6.4).
Woran erkenne ich, ob ein Dienst bei der BaFin registriert ist?
Die BaFin veröffentlicht eine Liste der Anbieter auf ihrer Website. Darauf verweist die Verbraucherzentrale Niedersachsen. Vergleiche den Namen des Dienstes mit dieser Liste, bevor du zustimmst.
Wird ein Antrag mit Kontocheck schneller entschieden als ein Antrag mit Kontoauszügen?
Ob der Kontocheck die Entscheidung beschleunigt, ist nicht belegt. Die Entscheidung hängt von der Prüfung der Bank und von den Unterlagen ab. Frag den Anbieter nach dem üblichen Ablauf.
Quellen
- Zahlungsdiensteaufsichtsgesetz, § 1 Begriffsbestimmungen (Abs. 34 Kontoinformationsdienst)
- Zahlungsdiensteaufsichtsgesetz, § 34 Registrierung von Kontoinformationsdiensten
- Zahlungsdiensteaufsichtsgesetz, § 50 Pflichten des kontoführenden Zahlungsdienstleisters bei Kontoinformationsdiensten
- Zahlungsdiensteaufsichtsgesetz, § 51 Pflichten des Kontoinformationsdienstleisters
- Datenschutz-Grundverordnung, Art. 6 Rechtmäßigkeit der Verarbeitung
- Datenschutz-Grundverordnung, Art. 7 Bedingungen für die Einwilligung
- Leitlinien 06/2020 zum Zusammenspiel von PSD2 und DSGVO (Version 2.0)
- Delegierte Verordnung (EU) 2022/2360 zur Änderung der technischen Regulierungsstandards für starke Kundenauthentifizierung (Art. 10a)
- Gesetz zur Umsetzung der Richtlinie (EU) 2023/2225, Regelungstext (Art. 3 mit § 37a BDSG und § 505b BGB, Art. 16 Inkrafttreten)
- PSD 2: Drittanbieter können Zugriff auf Konten erhalten
- Mängel bei Kontoinformationsdiensten beheben (Pressemitteilung)
- Wie schützt man sich gegen Phishing?
- Was ist der digitale Kontocheck?