Notgroschen: wie viel Rücklage sinnvoll ist
Ein Notgroschen ist eine Rücklage für Ausgaben, die du nicht planen kannst, etwa eine kaputte Waschmaschine, eine Nachzahlung oder ein wegfallendes Gehalt. Als Daumenregel nennt die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein zwei bis drei Monatsgehälter. Wie viel für dich passt, hängt davon ab, welche Lücke bei dir realistisch ist.
Was soll der Notgroschen abdecken?
Der Notgroschen ist für Ausgaben gedacht, die du nicht planen kannst und die du nicht aus dem laufenden Geld zahlen kannst. Typisch sind eine kaputte Waschmaschine, eine Nebenkostennachzahlung oder der Ausfall deines Gehalts. Was du kommen siehst, gehört in einen eigenen Sparposten.
Was in den Notgroschen gehört
| Ausgabe | Beispiel | Wohin damit? |
|---|---|---|
| Reparatur | Waschmaschine, Heizung oder Auto nach einer Panne | Notgroschen |
| Nachzahlung | Nebenkostennachzahlung, die höher ausfällt als erwartet | Notgroschen |
| Einkommensausfall | Jobverlust oder ein Gehalt, das plötzlich fehlt | Notgroschen |
| Jahresposten | Kfz-Steuer oder Versicherungsbeiträge, die einmal im Jahr fällig werden | Eigener Sparposten, jeden Monat anteilig |
| Geplante Anschaffung | Urlaub, neue Möbel oder Geschenke | Eigener Sparposten |
Wie du Jahresposten auf den Monat umrechnest, erklärt der Ratgeber Haushaltsbuch führen. Wer diese Beträge in den Notgroschen legt, hat für den nächsten echten Notfall weniger Geld übrig.
Wie viel Rücklage ist sinnvoll?
Als Daumenregel nennt die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein zwei bis drei Monatsgehälter. Die Verbraucherzentrale Hamburg empfiehlt drei bis vier Netto-Monatsgehälter. Beide Richtwerte rechnen mit deinem Einkommen, nicht mit deinen Ausgaben, deshalb sind sie ein Ausgangspunkt und kein fester Betrag.
Richtwerte im Vergleich
| Richtwert | Quelle | Wann er passen kann (eigene Einordnung) |
|---|---|---|
| Zwei bis drei Monatsgehälter | Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein, Stand 12.02.2026 | Beim ersten Aufbau, wenn du bei null anfängst |
| Drei bis vier Netto-Monatsgehälter | Verbraucherzentrale Hamburg, Stand 27.08.2025 | Wenn dein Einkommen schwankt oder du mehr Spielraum willst |
| Drei bis fünf Nettomonatseinkommen | Verbraucherzentrale, Ratgeber Finanzieller Engpass, Stand 27.01.2026 | Als Ziel, wenn du nach einer Entnahme in besseren Zeiten wieder aufbaust |
Einen zweiten Test machst du mit deinen Fixkosten. Teile die Rücklage durch die Summe, die du jeden Monat für Miete, Versicherungen und Verträge brauchst. Das Ergebnis zeigt, wie viele Monate die Rücklage die Fixkosten deckt, wenn kein Gehalt kommt. Ist die Zahl klein, reicht der Betrag für einen längeren Ausfall nicht, auch wenn er einem Richtwert entspricht.
Beim Rechnen kannst du das Nettogehalt nehmen, also den Betrag, der auf dem Konto ankommt. Die Verbraucherzentrale Hamburg nennt ausdrücklich Netto-Monatsgehälter, die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein legt sich nicht fest. Sonderzahlungen wie Weihnachtsgeld lässt du besser außen vor, damit der Notgroschen auch in einem normalen Monat stimmt.
Wie hoch ist der Notgroschen bei deiner Lebenslage?
Die Richtwerte sind keine Obergrenze. Deine Lebenslage verschiebt die Höhe nach oben oder unten, je nachdem, welche Ausgaben bei dir plötzlich anfallen können.
Lebenslage und Höhe, eigene Einordnung
| Lebenslage | Warum | Richtung |
|---|---|---|
| Alleinlebend, festes Gehalt, Mietwohnung ohne Auto | Weniger Dinge im Haushalt können kaputtgehen, und niemand muss mitversorgt werden | eher unten |
| Familie oder Alleinerziehend | Kinder bringen häufig ungeplante Ausgaben mit sich, und wenn das Einkommen wegfällt, trägt es niemand mit | eher oben |
| Selbstständig oder schwankendes Einkommen | Aufträge können wegfallen, und die Einnahmen kommen nicht jeden Monat gleich | eher oben |
| Eigenes Auto oder eigene Wohnung | Reparaturen fallen größer aus und kommen unregelmäßig | eher oben |
| Zwei feste Einkommen im Haushalt | Fällt ein Gehalt aus, trägt das andere einen Teil der Fixkosten | eher Mitte |
Kemal ist 39, arbeitet als Lagerist und wohnt zur Miete ohne Auto. Bei 2.300 Euro netto sind zwei Monatsgehälter 4.600 Euro und drei Monatsgehälter 6.900 Euro, das ist sein Rahmen. Als die Waschmaschine ausfällt, zahlt er die Reparatur von 640 Euro aus der Rücklage und füllt den Betrag danach wieder auf, bevor er neue Anschaffungen plant. Das Beispiel ist erfunden.
Verändert sich deine Lage, etwa durch einen Umzug, ein eigenes Auto oder Nachwuchs, rechnest du die Höhe neu. Ein Blick auf die Fixkosten reicht dafür meist.
Wie baust du den Notgroschen Schritt für Schritt auf?
Der Aufbau gelingt am ehesten, wenn er automatisch läuft und nicht davon abhängt, was am Monatsende übrig bleibt. Wie du Einnahmen und Fixkosten insgesamt sortierst, zeigt der Überblick Geld und Budget planen.
So baust du den Notgroschen auf
- Ausgaben kennen. Schreib die festen Ausgaben auf, die weiterlaufen, auch wenn dein Gehalt ausfällt: Miete, Versicherungen, Telefon und Verträge. Für die Liste reicht ein Blatt Papier oder die Auswertung aus dem Haushaltsbuch.
- Kleinen Startbetrag festlegen. Nimm einen Betrag, den du auch in einem knappen Monat zurücklegen kannst. Ein kleiner Betrag, den du jeden Monat zahlst, hilft mehr als ein großer, den du nie zahlst.
- Dauerauftrag am Gehaltstag einrichten. Der Betrag geht auf das Tagesgeldkonto, sobald dein Gehalt eingeht. So planst du das Geld nicht schon vorher für andere Ausgaben ein.
- Sondereinnahmen einsetzen. Eine Steuererstattung, Weihnachtsgeld oder der Verkauf eines gebrauchten Gegenstands fließen zuerst in die Rücklage, bis das Ziel erreicht ist.
- Etappenziele setzen. Ein erstes Ziel, das du gut erreichen kannst, zeigt dir den Fortschritt. Ist es erreicht, legst du das nächste fest, etwa den nächsten Richtwert aus der Tabelle.
Wo parkst du den Notgroschen?
Am besten liegt die Rücklage auf einem Tagesgeldkonto, getrennt vom Girokonto. Die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein empfiehlt das Tagesgeldkonto und rät davon ab, Bargeld zu Hause aufzubewahren (Stand 12.02.2026). Tagesgeld lässt sich laut Verbraucherzentrale jederzeit ohne Kündigungsfrist abrufen (Stand 20.01.2026).
Die Verbraucherzentrale nennt für Rücklagen ein Giro- oder ein Tagesgeldkonto (Stand 27.01.2026). Auf dem Girokonto vermischt sich das Geld allerdings mit den Ausgaben des Monats, und die Rücklage gerät leichter an den Alltag. Festgeld bindet das Geld für eine feste Zeit, und Wertpapiere oder Fonds können im falschen Moment weniger wert sein, als du eingezahlt hast.
Wie sicher ist das Geld auf dem Tagesgeldkonto?
Die gesetzliche Einlagensicherung schützt Guthaben bis 100.000 Euro je Einleger und Bank. Nach § 8 Abs. 1 EinSiG ist der Entschädigungsanspruch auf diesen Betrag begrenzt. Die Bundesbank nennt die Grenze einschließlich eventueller Zinsansprüche. Die Grenze gilt je Einleger und je Bank, Konten bei derselben Bank teilen sich also den Betrag.
Ein Notgroschen liegt in der Regel weit unter dieser Grenze. Nach § 8 Abs. 2 EinSiG können bis zu 500.000 Euro geschützt sein, wenn das Guthaben nur wegen bestimmter, nicht regelmäßiger Zahlungen über 100.000 Euro liegt, etwa einer Abfindung bei Entlassung. Dieser Schutz gilt bis zu sechs Monate nach der Gutschrift (Stand Oktober 2026).
Warum ersetzt ein Kredit keinen Notgroschen?
Ein Kredit ist kein Notgroschen. Er gibt dir Geld, das du über die Laufzeit mit Raten zurückzahlst, und er setzt vorher eine Bonitätsprüfung und eine Zusage voraus. Ob du einen Kredit bekommst und zu welchen Bedingungen, entscheidet die Bank.
Ein Kredit verlagert die Ausgabe in die Zukunft. Danach zahlst du jeden Monat Raten, auch wenn gerade das Einkommen fehlt.
Auch ein eingeräumter Dispo oder ein Kreditrahmen ist keine Rücklage. Die Bank kann ihn einschränken oder kündigen, und genutzte Beträge musst du ausgleichen.
Kredaro ist keine Bank und vergibt keine Kredite. Wenn ein Kredit ohnehin im Gespräch ist, rechne vorher mit dem Budget-Check nach, was nach deinen Fixkosten übrig bleibt.
In welcher Reihenfolge kommen Dispo, Rücklage und Sondertilgung?
Sinnvoll ist meist diese Reihenfolge: erst der Dispo, dann die Rücklage, danach die Sondertilgung. Ein kleiner Startbetrag läuft von Anfang an mit, damit die nächste Reparatur nicht wieder über den Dispo geht.
Steht dein Konto dauerhaft im Minus, baust du das Minus zuerst ab, mit dem Geld, das nach den Fixkosten übrig bleibt. Im Ratgeber Dispo ablösen stehen die Schritte dafür. Ob eine Kreditkarte mit Kreditrahmen im Vergleich zum Dispo infrage kommt, zeigt Kreditkarte oder Dispo.
Die Verbraucherzentrale sieht Rücklagen als Möglichkeit für einen kurzen finanziellen Engpass und empfiehlt, sie danach wieder aufzufüllen (Stand 27.01.2026). Die Sondertilgung kommt erst danach. Wer vorzeitig zurückzahlt und dann eine Reparatur bezahlen muss, hat die Lücke nur verschoben. Was eine Sondertilgung bringt und wann sie sich lohnt, steht auf der Seite Sondertilgung.
Wann darfst du den Notgroschen antasten?
Du darfst ihn antasten, wenn eine Ausgabe anfällt, die du nicht planen konntest, und sie sich nicht aus dem laufenden Geld bezahlen lässt. Für Urlaub, Konsum oder einen Kauf, den du gerade willst, bleibt er unangetastet.
Frag dich vor jeder Entnahme, ob die Ausgabe wirklich nicht planbar war und ob der Rest deines Monats nicht reicht. Ist die Ausgabe planbar, gehört sie in deinen Plan und nicht in die Rücklage.
Bevor du die Rücklage ganz einsetzt, prüf, ob sich die Ausgabe aufschieben lässt. Ein Kostenvoranschlag zeigt bei einer Reparatur, ob sich die Sache lohnt oder eine günstigere Lösung möglich ist. Eine Nachzahlung lässt sich oft in Teilbeträgen klären, wenn du den Gläubiger vorher fragst.
Wie füllst du den Notgroschen nach einer Entnahme wieder auf?
Dein Dauerauftrag bleibt bestehen, bis das Ziel wieder erreicht ist. Sonderzahlungen wie eine Steuererstattung helfen, die Lücke zu schließen. Prüf den Stand einmal im Monat, etwa beim Blick auf deine Ausgaben.
Was tust du, wenn keine Rücklage da ist?
Ohne Rücklage hilft zuerst der Blick auf das, was du verschieben kannst. Eine Rechnung lässt sich oft mit dem Gläubiger in Raten vereinbaren, bevor du an einen Kredit denkst, wie der Ratgeber Ratenzahlung vereinbaren zeigt. Die Rücklage beginnt mit dem ersten Betrag, den du zur Seite legst.
Wann holst du dir Hilfe?
Reicht die Rücklage nicht, und sind laufende Zahlungen nicht mehr aus dem Einkommen zu decken, ist eine Schuldnerberatung der bessere erste Schritt. Die Verbraucherzentrale empfiehlt bei nicht mehr zu zahlenden Kreditraten eine anerkannte, gemeinnützige Schuldnerberatung (Stand 27.01.2026). Frag vorher nach den Kosten. Mehr dazu steht auf der Seite Schuldnerberatung.
Welche Fehler machen den Notgroschen wirkungslos?
Diese Fehler solltest du vermeiden
- Du zählst Geld mit, das du nicht kurzfristig abrufen kannst, etwa gebundenes Festgeld.
- Du hältst die Rücklage nicht getrennt vom Alltagsgeld, sodass sie im Monat verschwimmt.
- Du nimmst den Notgroschen für Jahresposten, die du eigentlich hättest ansparen können.
- Du füllst nach einer Entnahme nicht wieder auf und merkst es erst bei der nächsten Reparatur.
- Du rechnest mit einem Startbetrag, der nur im besten Monat klappt.
Häufige Fragen
Reicht ein Girokonto für den Notgroschen?
Die Verbraucherzentrale nennt für Rücklagen ein Giro- oder ein Tagesgeldkonto (Stand 27.01.2026). Die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein nennt das Tagesgeldkonto als besten Ort (Stand 12.02.2026). Ein eigenes Konto hilft, die Rücklage vom Alltagsgeld zu trennen.
Darf ich den Notgroschen für eine Reise nutzen, die ich schon lange plane?
Nein, dafür ist er nicht gedacht. Eine geplante Reise bekommt einen eigenen Sparposten, den du vorher ansparst. So bleibt die Rücklage für das, was wirklich unvorhergesehen kommt.
Was mache ich, wenn mein Notgroschen schon aufgebraucht ist?
Lege wieder einen festen Betrag zurück, sobald das laufende Geld es zulässt. Bleibt die Lücke groß, prüfe, ob deine Fixkosten zum Einkommen passen. Der Budget-Check rechnet das nach.
Wie viel Notgroschen brauche ich, wenn ich Kinder habe?
Meist fällt er höher aus als bei Alleinstehenden, weil Kinder oft ungeplante Ausgaben mit sich bringen und bei einem Einkommensausfall niemand mitträgt. Eine feste Zahl gibt es dafür nicht. Rechne mit deinen Fixkosten nach.
Quellen
- Zwei bis drei Monatsgehälter gehören für Notfälle aufs Tagesgeldkonto
- Budget: Alles nach Plan und die Kosten im Griff
- Sicher sparen: So nutzen Sie Zinsen und vermeiden Kosten
- Finanzieller Engpass: Was tun, wenn ich nicht rechtzeitig bezahlen kann?
- Einlagensicherung
- § 8 EinSiG Höhe des Entschädigungsanspruchs